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CONCERTO Das Magazin für alte Musik 16. Jahrgang, Nr. 149, Dez./Jan. 1999/2000 |
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| Mozart Schmankerln |
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Zwei junge Absolventen des Musikwissenschaftlichen Instituts der Universität Wien, Mag. Wolfgang Kiess und Mag. Thomas Mersich, haben sich zusammengetan, um einen kleinen Musikverlag zu gründen.
Inzwischen liegen einige Früchte ihrer Verlegertätigkeit vor; darunter
Kammermusikbearbeitungen der Mozart-Opern »Die Zauberflöte«, »Die
Entführung aus dem Serail«, »Don Giovanni«, »Le
Nozze di Figaro« und »Cosi fan tutte«. Im Falle der vorliegenden
Fassung der »Zauberflöte« handelt es sich um die Neuausgabe eines
zeitgenössischen Arrangements von 1792 für Flöte, Violine, Viola und
Violoncello durch Johann Wendt (1745-1801), Oboist der Kaiserlichen
Hofmusikkapelle zu Wien nicht zu verwechseln mit Johann Baptist Wendling,
Freund Mozarts und Flötist der berühmten Mannheimer Hofkapelle. Von
Wendt stammen über vierzig Kammermusik-Bearbeitungen seinerzeit
populärer Opern.
Zahlreiche Erstdrucke bewahrt die Wiener Stadt- und Landesbibliothek,
so auch die Vorlage für diese Neuausgabe. Der
Herausgeber Hansgeorg Schmeiser, der auch eine Einspielung des Werks bei
Nimbus Records vorgelegt hat schreibt in einem kurzen Vorwort:
»Offensichtliche Schreib- oder Arrangementfehler wurden berichtigt. Die
Einzelstimmen wurden an jenen Stellen behutsam dem Original angenähert,
bei denen wir das Gefühl hatten, daß das Arrangement nicht den
Intentionen Mozarts entsprach.« Leider fehlt ein Kritischer Bericht, also
der Nachweis darüber, wo Schmeiser »Schreib- oder Arrangementfehler«
von Wendt gefunden und »behutsam dem Original angenähert« hat. Schade.
Ansonsten ist die Aufmachung der Ausgabe ordentlich. Vier hochformatige
Einzelstimmhefte und eine kleinere Taschenpartitur (Paperback) sind
zusammengehalten in einer Mappe aus rotem Karton mit goldener Schrift -
ansprechend und praktisch zugleich.
Schmeisers Neuausgabe ist eine echte Bereicherung.
Zum einen dokumentiert sie jene seit dem ausgehenden
18. Jahrhundert verbreitete >Arrangitis<, die beliebtesten
Opernmelodien für den heimischen Salon zu bearbeiten, zum anderen handelt
es sich um gute Musik, schließlich stammt die Vorlage von Mozart.
Außerdem ist Wendts Arrangement nicht nur eine Spielerei für
musikalische Dilettanten, sondern eine ernst zu nehmende zeitgenössische
Bearbeitung, die allen Spielern virtuose Qualitäten abverlangt. Das Thema
liegt meist in der Flötenstimme, oft zunächst >einfach<, sowie man
es aus der Opernvorlage kennt, später reich verziert, umspielt oder
variiert, was nicht zuletzt interessante Einblicke in die Kunst der
Verzierens gegen Ende des 18. Jahrhunderts zuläßt. Viele Sätze sind
auch auf der Oboe spielbar, einige sogar - wenngleich musikalisch weniger
vertretbar - auf Blockflöte oder Czakan. Die bei Mersich & Kiess
erschienenen Opernfassungen dürften sich also bei vielen Bläsern großer
Beliebtheit erfreuen und schon bald als echte >Schmankerln< auch im
Konzertbetrieb auftauchen.
Karsten Erik Ose |
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